Wer Jura studiert, lernt früh, in richtig und falsch zu denken. Oft überträgt sich das unbewusst auch auf Lebensläufe. Karrieren sollen möglichst gerade verlaufen, Entscheidungen „logisch“ sein, Stationen nahtlos aufeinander aufbauen.
Mein eigener Karriereweg als Juristin war nicht immer gerade, aber er war für mich der Richtige.
Und genau daraus ist das entstanden, was ich heute mit LWYRD mache: Juristische Personalberatung, Business Coaching für Jurist:innen und der Podcast „LWYRD! Der Podcast zum deutschen Rechtsmarkt“.
Dieser Beitrag richtet sich an Jurist:innen, die ihren eigenen Karriereweg bewusst gestalten wollen, an Kanzleien und Unternehmen im deutschen Rechtsmarkt und an alle, die alternative Karrierewege für Jurist:innen spannend finden.
Früher Berufswunsch, später Perspektivwechsel
Mein Wunsch, Rechtsanwältin zu werden, war früh da. Bereits als Kind habe ich mit großer Beharrlichkeit argumentiert und mich schon in der Schulzeit klar auf das Jurastudium ausgerichtet.
Ich komme aus einem Nicht-Juristenhaushalt. Mein Vater war Bankkaufmann im internationalen Handel, meine Mutter Sekretärin und später Vollzeit für die Familie da. Bildung, Leistung und der Wille, aus den eigenen Möglichkeiten etwas zu machen, hatten bei uns einen hohen Stellenwert. Gleichzeitig habe ich mitbekommen, dass man für das, was man erreichen möchte, selbst Verantwortung trägt und dass Erfolge nicht selbstverständlich sind.
Nach dem Abitur habe ich an der Bucerius Law School in Hamburg studiert. Das Umfeld aus sehr leistungsstarken Kommiliton:innen, der hohe Anspruch des Jurastudiums und das dichte Programm haben mich gefordert. Ich musste lernen, Jura zu lernen, Erfolge und Misserfolge von mir als Person zu trennen und neben dem Studium auch Raum für persönliche Entwicklung zu lassen.
Nach dem Ersten Staatsexamen kamen Erschöpfung, ein persönlicher Verlust und das Gefühl, dass etwas nicht mehr stimmte. Ich habe bewusst einen Schritt zurück gemacht, mir professionelle Unterstützung gesucht und zum ersten Mal ernsthaft hinterfragt, ob der „klassische“ Karriereweg Juristin wirklich zu mir passt.
Diese Phase war kein Karrierebruch im Lebenslauf, sondern ein notwendiger Perspektivwechsel.
Vom Volljuristen-Examen zur juristischen Personalberatung
In dieser Zeit habe ich alternative Karrierewege für Jurist:innen ausgelotet. Unter anderem habe ich mich auf Traineeprogramme in Unternehmen beworben und schließlich ein Jahr im Deutschen Bundestag gearbeitet, im Büro von Wolfgang Bosbach, dem damaligen Vorsitzenden des Innenausschusses. Dort habe ich Wahlkreisarbeit gemacht, juristische Themen für den Innenausschuss vorbereitet und Bundespolitik aus nächster Nähe erlebt.
Gerade dieses Jahr hat mir gezeigt, wie vielfältig eine Karriere im Rechtsmarkt sein kann. Ich habe verstanden, dass das Referendariat und das Zweite Staatsexamen vor allem eines eröffnen: die Möglichkeit, juristisch zu arbeiten, ohne zwingend den klassischen Weg in Großkanzlei oder Staatsdienst zu gehen.
Nach dem Zweiten Staatsexamen war ich zunächst als Syndikusrechtsanwältin in der Rechtsabteilung einer Frankfurter Privatbank tätig. Parallel dazu wurde mir immer klarer, dass mich nicht die juristische Detailarbeit allein begeistert, sondern das Zusammenspiel aus Recht, Markt, Menschen und Entwicklungsmöglichkeiten.
Heute arbeite ich als juristische Personalberaterin und Business Coach. Ich verbinde juristisches Fachwissen mit tiefem Marktverständnis, kenne die Arbeitsrealität in Kanzleien und Rechtsabteilungen und begleite Jurist:innen und Arbeitgeber im gesamten Besetzungsprozess von der ersten Überlegung bis zur Vertragsunterschrift.
Für mich ist dieser Beruf ein idealer Rahmen, um meinen eigenen Karriereweg Juristin mit der Entwicklung anderer Karrieren im Rechtsmarkt zu verbinden.
Rückschläge gehören zum Karriereweg Juristin
Ein Muster, das ich bei vielen Juristinnen und Juristen beobachte: Jeder Rückschlag wird als persönliches Urteil verstanden. Eine Note, eine Absage, ein nicht genutztes Angebot wird sofort mit der eigenen Person verknüpft.
Ich kenne dieses Muster aus eigener Erfahrung. In Phasen hoher Belastung habe ich Leistungsanforderungen an mich gestellt, die deutlich über das hinausgingen, was das Umfeld erwartet hat. Rückschläge haben sich dadurch härter angefühlt, als nötig gewesen wäre.
Entscheidend war für mich ein Punkt, an dem ich bewusst eine attraktive Karrierechance aufgegeben habe, um mich eine Zeit lang vor allem um meine Familie zu kümmern. Das war keine leichte Entscheidung, denn im Rechtsmarkt wird Leistung oft sehr eindimensional gelesen. Rückblickend hat gerade diese Phase mein Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten gestärkt und mich mutiger gemacht, meinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn er nicht dem erwarteten Muster entsprach.
Für Ihren eigenen Karriereweg als Jurist:in heißt das:
- Rückschläge sind Teil des Systems, nicht zwingend ein Urteil über Ihre Persönlichkeit.
- Bewusste Pausen oder Umwege können strategische Entscheidungen sein.
- Ein „nicht gerader“ Lebenslauf kann im heutigen Rechtsmarkt ein echtes Asset sein, wenn Sie ihn klar erklären können.
Werte, Netzwerk und Mut: Was Karrieren im Rechtsmarkt heute trägt
Erfolgreiche Karrieren im Rechtsmarkt entstehen selten im Alleingang. Sie brauchen fachliche Qualität, ein tragfähiges Netzwerk und eine klare Haltung. Drei Werte sind für mich zentral, wenn es um nachhaltige Karrierewege für Jurist:innen geht:
Respekt
Respekt beginnt mit dem Blick auf sich selbst und auf andere. Im Arbeitsalltag heißt das, Grenzen zu erkennen und zu achten, unterschiedliche Positionen auszuhalten und zu wissen, wann es sinnvoll ist, die eigene Meinung einzubringen und wann es wichtiger ist, zuzuhören.
Erfolgreiche Karrieren im Rechtsmarkt entstehen selten im Alleingang. Sie brauchen fachliche Qualität, ein tragfähiges Netzwerk und eine klare Haltung.
Katharina E. Gangnus
Verlässlichkeit
Verlässlichkeit ist kein „alter“ Wert, sondern das Fundament jeder Zusammenarbeit. Zusagen einhalten, erreichbar sein, Ergebnisse liefern, die man zugesagt hat. Gerade im Bewerbungsprozess zerstören Ghosting und Unverbindlichkeit Vertrauen auf beiden Seiten. Verlässliche Personen werden zu natürlichen Knotenpunkten in funktionierenden Netzwerken.
Mut
Mut ist der Katalysator für alle anderen Werte. Ohne Mut bleibt vieles Theorie. Im Kontext Karriereweg Jurist:in bedeutet Mut zum Beispiel, Fragen zu stellen, Hilfe anzunehmen, einen nicht passenden Weg zu verlassen oder eine Alternative zu wählen, die auf den ersten Blick weniger „glamourös“ wirkt, langfristig aber besser zu Ihnen passt.
Ein stabiles Netzwerk entsteht aus genau dieser Mischung aus Respekt, Verlässlichkeit und Mut, nicht aus kurzfristigem Opportunismus.
Was Sie aus meinem Weg für Ihren Karriereweg Juristin mitnehmen können
Jurist:innen lernen, abstrakte Probleme in praktikable Lösungen zu übersetzen. Diese Fähigkeit ist eine Art „Superkraft“ in der Wirtschaft und im Rechtsmarkt, weil sie es ermöglicht, sich in sehr unterschiedliche Kontexte einzuarbeiten und neue Rollen zu übernehmen.
Mein eigener Weg hat mich von der klassischen Ausbildung über Politik, Bankrecht und Syndikusposition hin zur juristischen Personalberatung, zum Business Coaching und zur eigenen Marke LWYRD geführt.
Heute begleite ich mit der LWYRD Legal Recruitment GmbH, LWYRD Business Coaching und meinem Podcast „LWYRD!“ sowohl Kanzleien und Unternehmen als auch Jurist:innen bei der Gestaltung ihrer Karriere im Rechtsmarkt.
Wenn Sie
- Ihren eigenen Karriereweg Juristin neu sortieren möchten,
- über einen Jobwechsel oder einen alternativen Karriereweg für Jurist:innen nachdenken oder
- als Kanzlei oder Unternehmen Persönlichkeiten suchen, die fachlich und menschlich zu Ihnen passen,
dann lade ich Sie ein, den Austausch zu suchen.
Ihr Weg muss nicht gerade sein. Er sollte zu Ihnen passen.
Quellen
- Basierend auf Interview bei breakingthrough
https://www.breakingthrough.de/portraet-katharina-gangnus
