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Legal Innovation Challenge von Legal AI Network mit Katharina Gangnus von LWYRD Legal Recruitment

Recap zur 8. Legal Innovation Challenge von Legal AI Network

Was wir vom juristischen Nachwuchs über Mandantenorientierung lernen können

Am vergangenen Wochenende durfte ich zum zweiten Mal Teil der Jury der Legal Innovation Challenge des Legal AI Network sein. Organisiert wurde die Veranstaltung von der  OMM Solutions Gmbh.

Und ich nehme vor allem eines mit: Großen Respekt.

Acht interdisziplinäre Teams aus Jura, Wirtschaft und Tech, die sich vorher nicht kannten, haben innerhalb von effektiv rund 20 Stunden Lösungen für reale Herausforderungen aus Kanzleien entwickelt. Im Fokus stand dabei die Mandantenreise und ganz konkret die Frage, wie einzelne Touchpoints so gestaltet werden können, dass Mandanten die Zusammenarbeit als klarer, strukturierter und wertvoller erleben.

Die Aufgabenstellungen waren dabei alles andere als abstrakt. Es ging zum Beispiel darum, wie Onboarding und strategischer Kick-off so gestaltet werden können, dass der Prozess für Mandanten effektiver wird und der Digitalisierungsgrad der Kanzlei frühzeitig erlebbar ist. Ein anderes Team hat sich damit beschäftigt, wie Touchpoints außerhalb eines konkreten Mandats so entwickelt werden können, dass ein echtes partnerschaftliches Verhältnis entsteht, das für beide Seiten einen geschäftlichen Mehrwert hat.

Weitere Fragestellungen waren, wie Mandantenfeedback und Jahresabschlussschreiben so genutzt werden können, dass Mandantenwahrnehmung systematisch verstanden und für die Mandatsarbeit nutzbar gemacht wird, und wie klassische Jour Fixe und Status-Meetings so weiterentwickelt werden können, dass Mandanten nicht nur informiert werden, sondern sich aktiv durch das Mandat geführt fühlen.

Allein diese Themen zeigen sehr deutlich, worum es im Kern geht: Nicht um einzelne Tools, sondern um die Qualität der Mandantenbeziehung entlang zentraler Kontaktpunkte.

Maximale Unsicherheit als Ausgangspunkt

Was diese Challenge so besonders macht, ist der Rahmen, in dem sie stattfindet.

Die Teams arbeiten in einer Konstellation, die sie so vorher nicht kannten. Sie bewegen sich in Themenfeldern, die für viele neu sind. Sie nutzen Methoden und Tools, die sie teilweise zum ersten Mal einsetzen. Und sie haben sehr wenig Zeit, um aus einem zunächst unscharfen Problem eine tragfähige Lösung zu entwickeln.

Am Ende stehen sieben Minuten Pitch und drei Minuten Fragen.

Der Timer ist gesetzt und lässt sich nicht verhandeln.

Was mich besonders beeindruckt hat

Natürlich war es beeindruckend zu sehen, dass viele Teams funktionierende Prototypen gebaut haben.

Was mich aber wirklich überzeugt hat, war die Herangehensweise.

Die Teams haben sich nicht darauf beschränkt, möglichst schnell eine Lösung zu präsentieren. Sie haben sich ernsthaft damit auseinandergesetzt, wo genau das Problem auf Mandantenseite liegt. Sie haben analysiert, strukturiert und hinterfragt, bevor sie in die Entwicklung gegangen sind.

Gerade im juristischen Kontext ist das keine Selbstverständlichkeit. Im Alltag wird häufig sehr schnell in Lösungen gedacht, ohne dass das zugrunde liegende Problem ausreichend präzise beschrieben ist.

Hier war das anders. Und das hat man den Ergebnissen deutlich angemerkt.

Drei Perspektiven auf eine gute Lösung

Die Lösungen sollten entlang von drei Dimensionen gedacht werden: Feasibility, Desirability und Viability.

Das bedeutet konkret: Eine Lösung muss umsetzbar sein, sie muss aus Mandantensicht einen echten Mehrwert bieten und sie muss wirtschaftlich tragfähig sein.

Gerade bei der wirtschaftlichen Tragfähigkeit waren wir als Jury eher zurückhaltend mit hohen Bewertungen. Das lag weniger an den Ideen als an der Schwierigkeit, wirtschaftliche Realitäten im Kanzleikontext realistisch einzuschätzen.

Zwischen 100.000 Euro und einer Million Euro Produktkosten war alles dabei. Das war stellenweise durchaus unterhaltsam, zeigt aber gleichzeitig auch, wie wenig transparent wirtschaftliche Zusammenhänge im Markt oft sind.

Souveränität unter Druck

Ein weiterer Punkt, der mir sehr positiv aufgefallen ist, war die Art und Weise, wie die Teams ihre Lösungen präsentiert haben.

Sieben Minuten sind sehr wenig Zeit, um ein komplexes Problem, eine durchdachte Analyse und eine Lösung überzeugend darzustellen. Hinzu kamen kritische und teilweise auch bewusst beharrliche Nachfragen aus der Jury.

Die Teams sind damit bemerkenswert souverän umgegangen. Sie haben ruhig argumentiert, ihre Entscheidungen nachvollziehbar erklärt und sich auch durch wiederholte Nachfragen nicht aus dem Konzept bringen lassen.

Das hat gezeigt, dass sie nicht nur eine Idee entwickelt haben, sondern sich wirklich mit ihr auseinandergesetzt haben.

Was wir daraus mitnehmen können

Für mich liegt die zentrale Erkenntnis darin, dass Mandantenorientierung sehr viel früher beginnt, als wir häufig denken.

Sie beginnt nicht bei der Auswahl eines Tools. Sie beginnt bei der Frage, wie gut wir das Problem verstehen, das wir eigentlich lösen wollen.

Die Teams, die hier besonders überzeugt haben, haben genau das gezeigt. Sie haben sich Zeit für die Analyse genommen, sie haben konsequent aus Mandantensicht gedacht und sie haben ihre Lösungen entlang klarer Kriterien entwickelt.

Das ist im Kern genau das, was auch im Kanzleialltag den Unterschied macht.

Warum solche Formate wichtig sind

Formate wie die Legal Innovation Challenge machen sichtbar, wie viel Potenzial im Nachwuchs steckt.

Gleichzeitig zeigen sie sehr klar, wo die Herausforderungen im Markt liegen. Zwischen guten Ideen, technologischen Möglichkeiten und der Frage, wie sich all das sinnvoll und wirtschaftlich in bestehende Strukturen integrieren lässt.

Für mich war das Wochenende deshalb weit mehr als ein klassischer Juryeinsatz.

Es war eine sehr konkrete Erinnerung daran, dass die nächste Generation den Rechtsmarkt bereits anders denkt. Strukturierter, nutzerzentrierter und oft auch mutiger in der Herangehensweise.

Das macht Mut und ist aus meiner Sicht genau das, was wir aktuell brauchen.

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Katharina Gangnus CEO LWYRD Legal Recruitment

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