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Equity Partner

Der Titel klingt eindeutig. In der Praxis ist er es seit Jahren nicht mehr. „Equity Partner“ bezeichnet in Anwaltskanzleien einen vollberechtigten Gesellschafter: mit Kapitaleinlage, Gewinnbeteiligung, Stimmrecht und unternehmerischem Risiko. Das war lange die klare Trennlinie. Heute verläuft diese Grenze deutlich unschärfer.

 

Was Equity Partner bedeutet

Equity Partner ist die Bezeichnung für Anwälte, die Anteile einer Kanzlei halten, somit einen großen Einfluss bei wichtigen Unternehmensentscheidungen haben und unmittelbar am Kanzleierfolg beteiligt sind.

Das bedeutet konkret: Der Equity Partner ist kein Angestellter, sondern Mitunternehmer. Er trägt wirtschaftliches Risiko, bringt in der Regel Kapital in die Kanzlei ein und hat Stimmrecht bei strategischen Entscheidungen. Im Gegenzug partizipiert er direkt am Gewinn, ungedeckelt und ohne Sicherheitsnetz.

Die Vergütung kann über zwei Modelle erfolgen: das Merit-based-System, das auf individueller Leistung basiert, und das Lockstep-System, das gleichm#ssige Gewinnbeteiligungen auf Basis der Dienstjahre vorsieht.

 

Der Unterschied zum Non-Equity Partner

Das ist die entscheidende Frage, die sich viele Kandidaten heute stellen müssen. Denn der Titel „Partner“ allein sagt wenig mehr.

  Weiterführender Blogartikel

Sven Laacks (LWYRD) beschreibt in seinem Artikel „Non Equity vs. Equity: Was der Partnertitel heute wirklich bedeutet“, wie sich das Partnerschaftsmodell verändert hat: Traditionell war Partnerschaft eindeutig: Kapitalbeteiligung, Stimmrecht, Gewinnanteil, Risiko und eine echte Upside. Heute ist das häufig eine Zweistufenwelt. Non Equity ist in vielen Häusern Standard-Einstieg. Salary Partner ist salonfähig: Partner auf der Visitenkarte, angestellt im System. Für Kanzleien ist das effizient. Für Einzelne wird die Tragweite oft erst sichtbar, wenn der Beförderungsapplaus verhallt.

Den vollständigen Artikel inkl. Due-Diligence-Checkliste: lwyrd.de/blog/arbeitsmarkt/non-equity-vs-equity

 

 

Wie viele Equity Partner gibt es in Deutschland?

Eine belastbare Gesamtzahl gibt es nicht. Equity Partnerschaft ist gesellschaftsrechtlich nicht einheitlich definiert und wird von den Kanzleien unterschiedlich ausgestaltet. Was sich sagen laäst: Die Equity-Partnerschaft in deutschen Grosskanzleien ist klein, exklusiv und nach wie vor stark männlich dominiert.

Laut JUVE Market Intelligence stagniert die Frauenquote in den Equity-Partnerschaften der JUVE-Top-50-Kanzleien. Für 2025 liegt der Anteil bei durchschnittlich rund 15 Prozent. Das gibt einen indirekten Hinweis auf die Exklusivität dieser Gruppe.

Ein weiterer Anhaltspunkt: Freshfields nimmt jährlich weltweit rund 23 bis 25 neue Anwältinnen und Anwälte in die Partnerschaft auf, davon sechs bis sieben in Deutschland. Gemessen an der Gesamtzahl der Associates und Counsels in der Kanzlei ist die Aufnahmequote niedrig.

Der deutsche Wirtschaftskanzleimarkt erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 erstmals einen Gesamtumsatz von über 10,4 Milliarden Euro. An der Spitze steht Freshfields mit 573,3 Millionen Euro, gefolgt von CMS Hasche Sigle mit 425,9 Millionen und Hengeler Mueller mit 381 Millionen Euro (Quelle: lto.de, September 2025). Dieser Umsatz wird auf eine vergleichsweise kleine Zahl von Equity Partnern verteilt, was die Attraktivität der Position erklärt, aber auch ihre Seltenheit.

 

Was Equity Partner verdienen

Transparenz ist hier die Ausnahme. Die Einnahmen hängen direkt am Kanzleierfolg und sind entsprechend schwer zu beziffern.

US-Großkanzleien UK-Großkanzleien Deutsche Großkanzleien
ab 500.000 EUR ab 400.000 EUR 300.000 – 1.000.000 EUR
Jährliche Gewinnbeteiligung (Richtwerte). Quellen: talentrocket.de, Robert Half (2025/2026)

 

Zum Vergleich: In US-Großkanzleien verdienen Equity Partner im Durchschnitt rund 1,75 Millionen Euro jährlich. Seit 2014 hat sich dieses Durchschnittsgehalt verdoppelt (Quelle: finance.yahoo.de, Oktober 2024).

Die wichtigste Kennzahl in diesem Zusammenhang ist der Profit per Equity Partner (PPEP). Er misst, wie viel Gewinn die Kanzlei pro vollberechtigtem Gesellschafter erwirtschaftet, und ist der primäre Massstab fuer die Effizienz und Attraktivitaet einer Partnerschaft.

 

Der Weg zur Equity Partnerschaft

Er ist lang, und er wird nicht kürzer. In deutschen Großkanzleien sind in der Regel zehn bis vierzehn Jahre Berufserfahrung nötig, bevor eine Aufnahme in die Equity Partnerschaft realistisch ist.

Wer den Schritt macht, bringt Kapital in die Kanzlei ein. Das Buy-in liegt je nach Kanzlei zwischen 150.000 und 750.000 Euro, häufig über interne Finanzierungsmodelle gestreckt. Dieser Umstand ist vielen Kandidaten im Vorfeld nicht ausreichend bewusst und sollte frühzeitig in die Planung einbezogen werden.

 

Was wirklich zählt: Die drei Hebel

Ob die Equity Partnerschaft hält, was sie verspricht, hängt weniger am Titel als an der tatsächlichen Stellung innerhalb der Kanzlei. Drei Faktoren sind entscheidend:

Mandantenkontrolle

Wer die direkte Beziehung zum Budget Owner hält, hat echte Macht. Wer nur delivert, bleibt abhängig, auch als Equity Partner.

Origination und Credit-System

Wie wird geregelt, wem ein Mandat zugerechnet wird? Wo die Regeln fehlen oder unklar sind, gewinnt Politik. Das kostet Equity Partner jährlich bares Geld.

Skalierbarkeit

Ein Equity Partner, der primär Zeit verkauft, stösst an Grenzen. Wer Teams aufbaut und Arbeit repliziert, schafft echten unternehmerischen Hebel und damit die Grundlage für nachhaltige Gewinnbeteiligung.

 

Was Kandidaten prüfen sollten

Vor der Zusage lohnt es sich, konkrete Fragen zu stellen. Die wichtigsten davon:

  • Ist Equity perspektivisch vorgesehen? Zu welchen Bedingungen und in welchem Zeitrahmen?
  • Wie viele Non-Equity-Kolleginnen und -Kollegen wurden in den letzten drei Jahren zu Equity? Wie lange dauerte der Prozess?
  • Welche Gremien entscheiden über Pricing, Credits und Ressourcen? Haben Non-Equity-Partner Sitz und Stimme?
  • Wie ist das Origination-Credit-System definiert und dokumentiert?
  • Wie hoch ist das Buy-in, und welche Finanzierungsmodelle bietet die Kanzlei an?

 

Den vollständigen Due-Diligence-Check gibt es im LWYRD-Blogartikel: lwyrd.de/blog/arbeitsmarkt/non-equity-vs-equity

 

  Fazit

Equity Partner ist die höchste und anspruchsvollste Karrierestufe in einer Anwaltskanzlei. Die wirtschaftliche Beteiligung, das Stimmrecht und das unternehmerische Risiko unterscheiden diese Position grundlegend vom Non-Equity- oder Salary-Partner-Modell. Wer den Schritt anstrebt, sollte frühzeitig pruefen, ob die Kanzlei echte Equity Partnerschaft lebt oder den Titel als Label ohne Substanz verwendet.

 

Quellen

  • LWYRD: Non Equity vs. Equity: Was der Partnertitel heute wirklich bedeutet (lwyrd.de, Januar 2026)
  • talentrocket.de: Gehalt in der Großkanzlei 2025
  • Robert Half: Gehaltsreport Equity Partner Großkanzleien (2026)
  • JUVE Market Intelligence: Frauenquote Equity-Partnerschaften Top-50-Kanzleien (2025)
  • lto.de: Wirtschaftskanzleien Deutschland, Umsatzranking 2024/25 (September 2025)
  • finance.yahoo.de: Partnergehälter US-Großkanzleien 2024 (Oktober 2024)
  • Freshfields: Partnerernennungen Deutschland 2024 und 2025
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