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Partnership Track

Als Partnership Track oder Partnertrack bezeichnet man den strukturierten Karriereweg, den ein Associate in einer Kanzlei durchläuft, mit dem Ziel, Mitglied der Partnerschaft zu werden. Der Begriff beschreibt keine feste Jobstufe, sondern einen Prozess: die Phase zwischen Berufseinstieg und Partneraufnahme, in der ein Anwalt zeigen muss, dass er oder sie nicht nur juristisch exzellent, sondern auch unternehmerisch denkend ist.

 

Wie lange dauert der Partnertrack?

In den meisten Kanzleien werden Associates nach etwa drei Jahren zu Senior Associates befördert. Nach etwa sechs bis acht Jahren, gegebenenfalls mit weiteren Zwischenstufen wie Managing Associate oder Counsel, kann die Aufnahme in die Partnerschaft erfolgen. Der genaue Zeitraum unterscheidet sich von Kanzlei zu Kanzlei (Quelle: lto.de, Juli 2025).

Bei Noerr wird im achten Berufsjahr in der Regel die Nominierung zum Equity Partner vorgenommen. Die Entscheidung basiert auf einem fundierten Business Case und einer erfolgreichen Positionierung im Markt mit einem entsprechenden Mandantenstamm. Bei Goerg bildet ebenfalls ein fundierter Business Case die Basis, ergaenzt durch eine bereits erreichte Marktpositionierung und einen ersten eigenen Mandantenstamm (Quellen: azur-online.de, Goerg- und Noerr-Arbeitgeberprofile).

 

Jahr 1-2 Jahr 2-3 Jahr 3-6 Jahr 6-8 Ab Jahr 8
Junior Associate

Erste Eigenständigkeit, Mandantenkontakt

Associate / Senior Associate

Projektführung, Business Development beginnt

Senior Associate / Counsel

Business Case aufbauen, Mandatsakquise, Marktvisibilität

Counsel / Salary Partner

Partnertrack-Entscheidung, Mandantenstamm nachweisen

Equity Partner

Vollpartnerschaft, Capital Contribution, Gesellschafterrechte

Richtlinie: 6-8 Jahre bis zur Partnerschaft. Variiert je nach Kanzlei. Quellen: lto.de, azur-online.de, beck-stellenmarkt.de

 

 

Was der Partnertrack tatsächlich voraussetzt

Juristische Exzellenz ist Pflicht, aber kein Alleinstellungsmerkmal. Was im Laufe des Partnertracks entscheidend hinzukommen muss:

Business Case und Mandantenakquise

Partnerkandidaten müssen eine Idee entwickeln, wie die Anforderungen der Kanzlei erfüllt werden können: Neue oder bestehende Geschäftsfelder müssen entwickelt, neue Mandanten akquiriert und bereits bestehende Geschäftsbeziehungen ausgebaut werden (Quelle: lto.de, April 2019). Der Business Case ist keine Formalität. Er ist der eigentliche Kern der Partnerschaftsentscheidung.

Sichtbarkeit im Markt

Der Anstoss zu einem Mandat kann aus drei Richtungen kommen: Entweder spricht der Anwalt einen Kontakt im richtigen Moment an, oder der Mandant wendet sich mit einem Problem an den Anwalt, oder beide werden durch einen Dritten zusammengefuehrt. Der gemeinsame Nenner in allen drei Fällen ist Visibilität, sowohl innerhalb der Kanzlei als auch aussen am Markt (Quelle: lto.de, April 2019).

Eigenständige Mandatsverantwortung von Beginn an

Nach etwa zwei Jahren legen Kanzleien Wert darauf, dass Associates eigenständig arbeiten und ersten Mandantenkontakt vorweisen koennen. Findet diese Entwicklung nicht innerhalb der ersten zwei Jahre statt, wird es mit zunehmender Seniorität schwerer, dieses Defizit aufzuholen. Andere Kanzleien können einen solchen Associate dann auch nicht mehr problemlos in ein bestehendes Team integrieren (Quelle: beck-stellenmarkt.de).

 

Equity Partner vs. Salary Partner: Was der Unterschied bedeutet

Nicht jede Partnerschaft ist gleich. Ein Equity-Partner oder Vollpartner hat Anteile an der Kanzlei erworben und wirtschaftet den Umsatz aus seiner eigenen Mandatsarbeit in den gemeinsamen Topf der Partnerschaft. Das Gehalt bzw. die Entnahme ist abhängig vom finanziellen Erfolg der gesamten Kanzlei. Als Miteigentümer treffen Equity-Partner im Rahmen von Partnerversammlungen gemeinsam strategische Entscheidungen (Quelle: azur-online.de, Glossar Equity Partner).

Der Salary Partner hingegen ist formal zwar Teil des Partnerrangs, aber kein Gesellschafter. Er bleibt wirtschaftlich ein hochrangiger Angestellter mit festem Grundgehalt und Bonuskomponente. Die Salary-Partnerschaft ist in vielen Kanzleien eine Zwischenstufe auf dem Weg zur Vollpartnerschaft, in manchen auch eine dauerhafte Alternative.

 

Merkmal Salary Partner Equity Partner
Gesellschafterstatus Nein – weiterhin angestellt Ja – Miteigentümer der Kanzlei
Vergütung Festes Grundgehalt + Bonus Anteil am Kanzleigewinn (variabel)
Verlustrisiko Keines Persönliche Haftung als Gesellschafter
Capital Contribution Nicht erforderlich In der Regel finanzielle Einlage nötig
Strategische Mitbestimmung Beratend / eingeschränkt Vollständig in Partnerversammlung
Typische Funktion Zwischenstufe oder dauerhafte Alternative Endstufe der Kanzleilaufbahn

 

 

Zahlen: Wer schafft den Sprung wirklich?

Erstmals seit zwei Jahren sank 2024 die Zahl der neu ernannten Partnerinnen, Partner und Counsel in den JUVE-Top-50-Kanzleien. Mit insgesamt 430 Beförderungen liegt der Wert rund 9 Prozent unter den Beförderungszahlen von 2023 (Quelle: JUVE Market Intelligence, Dezember 2024).

Und wer befördert wird, ist noch immer sehr einseitig zusammengesetzt. Laut dem Bericht der AllBright Stiftung vom April 2025 sind im Schnitt nur 16 Prozent der Equity Partner in Großkanzleien Frauen, während auf Associate-Ebene noch 47 Prozent Frauen vertreten sind. AllBright beschreibt den typischen deutschen Kanzleipartner als: männlich, deutsch, ohne Migrationsgeschichte, promoviert und stets verfügbar (Quelle: lto.de / AllBright Stiftung, Juli 2025). Dieses Bild verändert sich, aber langsam.

  Strukturelles Problem: Frauenanteil in Partnerschaften

Auf Associate-Ebene: 47% Frauen. Auf Partnerebene: nur 16% Equity-Partnerinnen (AllBright-Bericht 2025, 20 umsatzstärkste Kanzleien Deutschland). Bei nicht wenigen Kanzleien verlängert sich der Partnertrack immer noch mit jeder Elternzeit. Laut lto.de: „Genau in dieser Zeit ziehen dann viele Männer an einem vorbei“, so eine Kanzleipartnerin im JUVE-Interview.

 

 

Wann der Partnertrack scheitert

Beck-stellenmarkt.de formuliert es direkt: Der Weg in die Partnerschaft ist bei weitem kein Selbstläufer. Je mehr Berufserfahrung ein Associate sammelt, desto mehr Erwartungen werden seitens der Partnerschaft an seine fachliche und persönliche Entwicklung gestellt. Stellt man innerhalb klar definierbarer Entwicklungsstufen fest, dass notwendige Stufen nicht erreicht wurden, ist ein Wechsel zu einer geeigneteren Plattform sinnvoll (Quelle: beck-stellenmarkt.de).

Konkret bedeutet das: Wer nach vier bis fünf Jahren feststellt, dass der eigene Partnertrack in der aktuellen Kanzlei unrealistisch ist, weil die Pyramide zu steil ist, die Partnerschaft nicht aktiv fördert oder kein Business Case aufgebaut werden konnte, sollte frühzeitig handeln. Die häufigsten Alternativen:

  • Lateral Move in eine andere Kanzlei mit kürzerem oder realistischerem Track
  • Wechsel in eine Inhouse-Position als bewusste Karriereentscheidung
  • Dauerhafter Verbleib als Counsel ohne Partnerambition

 

 

Was Kandidaten auf dem Partnertrack beachten sollten

Transparenz früh einfordern

Wer nicht weiß, ob die Kanzlei konkrete Partnerschaftspläne für die eigene Person hat, sollte das Gespräch suchen. Unverbindliche Signale sind kein Commitment.

Business Case nicht aufschieben

Mandantenakquise und Sichtbarkeit im Markt können nicht in den letzten zwölf Monaten vor der Partnerschaftsentscheidung aufgebaut werden. Das ist ein mehrjähriger Prozess, der früh beginnen muss.

Salary- und Equity-Partnerschaft kennen

Wer eine Vollpartnerschaft mit wirtschaftlicher Beteiligung anstrebt, sollte vorab verstehen, welche finanziellen Verpflichtungen, etwa eine Capital Contribution, damit verbunden sind. Diese kann je nach Kanzlei erheblich sein.

Den eigenen Marktwert realistisch einschätzen

Wer gut performt und einen Mandantenstamm aufgebaut hat, hat auch außerhalb der eigenen Kanzlei Optionen. Beck-stellenmarkt.de empfiehlt, sich bei wahrgenommenen Defiziten im Kanzleiumfeld rechtzeitig nach Alternativen umzuschauen, um bei der Karriereentwicklung nicht in eine Sackgasse zu geraten.

 

  Fazit

Der Partnership Track ist der längste und anspruchsvollste Abschnitt einer Kanzleikarriere. Juristische Qualität ist der Eintritt, nicht die Eintrittskarte. Was zählt, ist der Nachweis unternehmerischen Denkens, eigener Mandantenbindung und der Fähigkeit, eine Kanzlei mitzugestalten. Wer das früh versteht und strategisch aufbaut, hat die besten Chancen. Wer wartet, bis die Entscheidung ansteht, hat zu lange gewartet.

 

Quellen

  • lto.de: AllBright-Bericht, Frauenanteil Equity-Partnerinnen in Großkanzleien (Juli 2025)
  • lto.de: Akquise: Langstrecke statt Sprint (April 2019)
  • beck-stellenmarkt.de: Der Weg in die Partnerschaft – rechtzeitig die richtigen Weichen stellen
  • azur-online.de: Hier haben Associates die besten Aufstiegschancen (April 2025)
  • azur-online.de: Goerg Arbeitgeberprofil (2026)
  • azur-online.de: Noerr Arbeitgeberprofil (2025)
  • azur-online.de: Glossar Equity Partner
  • JUVE Market Intelligence: Partnerernennungen JUVE-Top-50 2024 (Dezember 2024)
  • AllBright Stiftung: Bericht Frauenanteil in Wirtschaftskanzleien 2025

 

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